FAQ

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FAQ: Rock gegen Rechts

Warum "Rock gegen Rechts" - und nicht "Rock gegen rechte Gewalt"?

Minderheiten leiden seltener unter direkter Gewalt (beispielsweise den Schlagstöcken rechter Skins) als unter struktureller oder kultureller Gewalt (beispielsweise unter diskriminierenden Gesetzen und massenmedial aufbereiteten Vorurteilen.) Diese indirekten Formen der Gewalt werden oft übersehen, obwohl sie von entscheidender Bedeutung sind. Wer nur prügelnde Nazihorden im Visier hat, verkennt die wahren Ausmaße des Problems. Deshalb zielt unsere Kritik nicht allein auf rechtsradikale Schlägerbanden, sondern auf das "rechte Denken" schlechthin, das bekanntlich überaus vielfältige Formen annehmen kann.

Was versteht ihr unter den Begriffen "rechts" und "links"?

Gute Frage. Schon Ernst Jandl wusste, wie leicht es ist, mit den Begriffen "rechts" und "links" Verwirrung zu stiften. Zur besseren Verständigung eine kurze Arbeitsdefinition: "Links" nennen wir Positionen, die auf eine prinzipielle Gleichberechtigung und Freiheit aller Menschen ausgerichtet sind, "rechts" Positionen , die einer bestimmten Gruppe von Menschen in einem umfassenden Sinne Priorität einräumen und somit der Freiheit und Chancengleichheit aller Menschen entgegenwirken (Nationalismus, Ethnozentrismus, religiöser Fundamentalismus, Totalitarismus, Sozialdarwinismus, etc.). Legt man diese Definition zugrunde, zeigt sich schnell, dass so manche "linke" Position eigentlich eine "rechte" ist bzw. war (Beispiel: Stalinismus), was u.a. auch erklärt, warum es einigen sogenannten "Linken" (wie dem ehemaligen RAF-Mitglied Horst Mahler) nicht schwerfällt, heute im rechten Lager zu agieren.

Strebt ihr ein Verbot rechter Gruppierungen und rechter Musik an?

Nein. Wer Zensur erlaubt, will Denken verbieten. Staatliche Verbote würden bei konsequenter Anwendung all die rechtstaatlichen Freiheiten untergraben, die durch sie eigentlich geschützt werden sollen. Zudem stärken Verbote den Zusammenhalt innerhalb der Szene. Wir sind der Meinung, dass demagogische Halbwahrheiten (ja auch die Rechten haben mitunter Anteil an der Wahrheit!) nicht durch Verbote aufgehoben werden können, sondern nur durch bessere Argumente. Vertrauen wir also auf die produktive Streitkultur der Aufklärung, die einer Demokratie weit besser zu Gesicht steht als Partei-, Konzert- oder Veröffentlichungsverbote...

In manchen Gebieten Ostdeutschlands dominieren Skins die regionale Jugendkultur. Muss man da nicht entschieden eingreifen?

Sollte sich die Skinheadszene in Zukunft zusätzlich ausbreiten können, so wird das nicht vorrangig auf sie selbst zurückzuführen sein, sondern auf das Unvermögen der Politik, die zentralen gesellschaftlichen Probleme zu lösen. Sollte beispielsweise die Schere zwischen arm und reich weiter aufgehen und sich das Problem der Arbeitslosigkeit weiter zuspitzen, werden Jugendliche zunehmend anfällig werden für rechtsextremes Gedankengut. Ergo: Die hinter dem Rechtsextremismus stehenden Probleme können nicht durch Verbote gelöst werden, sondern allein durch eine zukunftsfähige Sozial-, Wirtschafts- und Bildungspolitik. Auf diesen Gebieten muss in der Tat entschieden gehandelt werden...

Warum "ROCK gegen Rechts"? Was ist mit den Punks, den Hiphopper und Ravern?

"Rock gegen Rechts" war der Name einer in den 70ern entstandene Protestbewegung, auf die wir gerne zurückgreifen. Die Namensgebung bedeutet selbstverständlich nicht, dass Musiker anderer Musikstile hier nicht willkommen wären. Im Gegenteil! Auch auf Beiträge von bildenden Künstlern, Schriftstellern oder Theaterleuten werden wir gerne hinweisen...

Was habt ihr gegen Dieter Bohlen?

Wenn - wie Friedrich Nietzsche meinte - Richard Wagners Musik eine Krankheit war, so ist Bohlens Musik sicherlich die Pest - aber sonst haben wir nichts gegen ihn, haha... Im Ernst: Mit dem flapsigen Spruch, "Rock gegen rechts" sei "klüger schöner und cooler als Dieter Bohlen und Adolf Hitler", wollten wir darauf hinweisen, dass der Erfolg der Rechten nicht zuletzt auf ein Sinndefizit in unserer Kultur zurückzuführen ist. Angesichts der Plastikkultur von Bohlen, Appelt, Drews und Co. fällt es rechten Demagogen leicht, attraktiv zu erscheinen. Schon allein deshalb ist es höchste Zeit für eine attraktive linke Gegenkultur. Jenseits von Ballermann 6 dürfen nicht nur Nazifahnen wehen. Wenn die Kids entdecken, dass es entschieden cooler ist, Heine, Marx oder Bakunin zu lesen, als Modern Talking zu hören oder Verona Feldbusch in den Ausschnitt zu gucken, ist der Kampf schon halb gewonnen...